WAI-Richtlinien

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1 Definition

Die WAI (Web Accessability Initiative) ist eine Initiative des W3C (World Wide Web Consortium). Diese Initiative arbeitet mit verschiedenen Organisationen zusammen, um Strategien für den barrierefreien Zugang zu Web-Inhalten zu erarbeiten. Unter dem Begriff „Barrierefreiheit“ versteht man den schrankenlosen Zugang körperlich und geistig behinderter Menschen zu Inhalten im Internet. Es gibt beispielsweise spezielle Software für Blinde bzw. Sehgeschädigte, die diesen Personen den Inhalt einer Website vorliest.

2 Empfehlungen

Es gibt generell vierzehn Empfehlungen, um eine Homepage barrierefrei zu gestalten:

(1) Stellen Sie äquivalente Alternativen für Audio- und visuellen Inhalt bereit: Obwohl manche Menschen Bilder, Filme, Töne, Applets usw. nicht direkt nutzen können, können sie unter Umständen äquivalente Informationen nutzen. Die Mächtigkeit von Text-Äquivalenten liegt in ihrer Fähigkeit, auf Arten dargestellt zu werden, die für Menschen verschiedener Behindertengruppen unter Verwendung verschiedenster Technologien zugänglich sind. Text kann problemlos von Sprachgeneratoren und Blindenschrift-Displays ausgegeben und visuell auf Monitoren und Papier präsentiert werden.

(2) Verlassen Sie sich nicht auf Farbe allein: Viele Webseiten benutzen nicht nur Text allein als Informationsträger, sondern auch Farbe. Dies kann allerdings für Menschen, die bestimmte Farben nicht unterscheiden können, erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Beispielsweise können eventuell Menschen mit verschiedenen Arten von Farbschwächen Webseiten nicht korrekt erkennen, sollten sich Hintergrund- und Vordergrundfarbe im Farbton zu sehr ähneln.

(3) Verwenden Sie Markup und Stylesheets und tun Sie dies auf korrekte Weise: Inkorrekte Verwendung von Markup – entgegen der Spezifikation – beeinträchtigt die Zugänglichkeit. Der falsche Gebrauch von Markup für Präsentationseffekte (z.B. die Verwendung einer Tabelle für Layout und einer Überschrift, um die Schriftgröße zu ändern) macht es für Benutzer von spezialisierter Software schwer, den Aufbau einer Seite zu verstehen und in ihr zu navigieren. Beispielsweise sollte man bei CSS (Cascading Stylesheets) relative Einheiten (em) anstatt von absoluten Einheiten wie pt oder cm verwenden.

(4) Verdeutlichen Sie die Verwendung natürlicher Sprache: Wenn Entwickler von Inhalten die Änderungen der natürlichen Sprache in einem Dokument kennzeichnen, können Sprachgeneratoren und Blindenschrift-Geräte automatisch zur neuen Sprache wechseln, wodurch das Dokument zugänglicher für mehrsprachige Benutzer wird. Auch die Ausschreibung von Abkürzungen oder Akronymen sollten angegeben werden.

(5) Erstellen Sie Tabellen, die geschmeidig transformieren: Tabellen sollten verwendeten werden, um tatsächlich tabellarische Daten zu kennzeichnen und darzustellen. Entwickler sollten vermeiden, sie für das Seitenlayout zu verwenden.

(6) Sorgen Sie dafür, dass Seiten, die neue Technologien verwenden, geschmeidig transformieren: Neue Technologien gerade im Internet-Bereich erscheinen in einem so schnellen Turnus, dass die meisten schon fast veraltet sind, bevor sie sich durchgesetzt haben. Gerade bedingt durch diese Schnelligkeit sollten Web-Entwickler bei der Verwendung neuer Technologien darauf achten, dass ihre Webseiten auch auf älteren Browsern oder älterer Hardware noch einwandfrei funktioniert und dargestellt werden kann.

(7) Sorgen Sie für eine Kontrolle des Benutzers über zeitgesteuerte Änderungen des Inhalts: Manche Menschen mit kognitiven oder visuellen Behinderungen sind nicht in der Lage, bewegten Text oder andere Animationen schnell genug oder überhaupt zu lesen bzw. zu erkennen. Bewegung kann auch so stark ablenken, dass der Rest der Seite für Menschen mit kognitiven Behinderungen unlesbar wird. Solche Animationen sollten also stets vom Benutzer gestoppt werden können.

(8) Sorgen Sie für direkte Zugänglichkeit eingebetteter Benutzerschnittstellen: Wenn ein eingebettetes Objekt seine eigene Schnittstelle hat, muss diese – wie die des Browsers selbst – zugänglich sein. Wenn die Schnittstelle nicht zugänglich gemacht werden kann, muss eine alternative zugängliche Lösung bereitgestellt werden.

(9) Wählen Sie ein geräteunabhängiges Design: Geräteunabhängiger Zugriff bedeutet, dass der Benutzer mit dem Benutzeragenten oder Dokument über sein bevorzugtes Eingabegerät (oder Ausgabegerät) umgeht – Maus, Tastatur, Sprache, Kopfstab oder sonstiges. Wenn zum Beispiel ein Kontrollelement eines Formulars nur mit der Maus oder einem anderen Zeigegerät aktiviert werden kann, wird jemand, der die Seite nicht sieht, oder Spracheingabe bzw. ein anderes zeigerloses Eingabegerät benutzt, nicht in der Lage sein, das Formular zu benutzen.

(10) Verwenden Sie Interim-Lösungen: Der Begriff „Interim-Lösungen“ hat zwar einen negativen Beigeschmack, allerdings ist er hier angebracht: man sollte sicherstellen, dass ältere Versionen des Browsers oder ältere assistive Technologien weiterhin mit der Website funktionieren, auch wenn es bereits neuere Technologien bzw. Versionen gibt.

(11) Verwenden Sie W3C-Technologien und Richtlinien: W3C-Technologien wie beispielsweise HTML, CSS oder XHTML enthalten bereits „eingebaute“ Zugänglichkeitsrichtlinien. Diese werden weiterhin frühzeitig, also schon beim Design, auf ihre barrierefreie Zugänglichkeit geprüft. Und ein weiterer wichtiger Punkt: W3C-Technologien und –Standards stehen offen und werden auch in einem offenen Prozess entwickelt. Viele proprietäre Nicht-W3C-Formate wie beispielsweise Shockwave, PDF o.ä., erfordern zum Betrachten entweder Plug-ins oder eigenständige Anwendungen, die teilweise eben nicht barrierefrei gestaltet sind.

(12) Stellen Sie Informationen zum Kontext und zur Orientierung bereit: Die Gruppierung von Elementen und die Bereitstellung von Kontext-Informationen über die Beziehungen zwischen Elementen kann für alle Benutzer nützlich sein. Komplexe Beziehungen zwischen Teilen einer Seite sind möglicherweise für Menschen mit kognitiven Behinderungen und Menschen mit visuellen Behinderungen schwer zu interpretieren.

(13) Stellen Sie klare Navigationsmechanismen bereit: Klare und konsistente Navigationsmechanismen sind wichtig für Menschen mit kognitiven Behinderungen oder Blindheit und kommen allen Benutzern zugute.

(14) Sorgen Sie dafür, dass Dokumente klar und einfach gestaltet sind: Konsistentes Seitenlayout, deutliche Grafiken und eine leicht verständliche Sprache kommen allen Benutzern zugute. Sie sind besonders eine Hilfe für Menschen mit kognitiven Behinderungen, die Schwierigkeiten beim Lesen haben.

3 Gesetzliches

Diese Empfehlungen sind mittlerweile in Deutschland in den Rang einer Verordnung gehoben worden, und zwar der so genannten „Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung“ (BITV). Diese Verordnung wurde aufgrund des am 1. Mai 2002 in Kraft getretenen Bundesbehindertengleichstellungsgesetzes (BGG) beschlossen, da dieses eine Rechtsverordnung des Bundes erforderlich machte, um die Umsetzung des Gesetzes für Internetseiten beispielsweise des Bundes zu regeln. Diese Verordnung gilt nach § 1 der Verordnung für Internetauftritte und –angebote bzw. mittels Informationstechnik realisierte graphische Programmoberflächen für Behörden der Bundesverwaltung. Diese Anordnung gilt zudem für alle Träger öffentlicher Gewalt im Sinne des BGG (§ 7 Absatz 1 Satz 1), was bedeutet, dass diese Verordnung für alle öffentlichen Einrichtungen auch der Länder verbindlich ist (so auch für die Fachhochschule Augsburg).

4 Validierung

Die WAI gibt des Weiteren folgende 10 Punkte für die Validierung einer Homepage im Hinblick auf barrierefreie Zugänglichkeit:

1. Verwendung eines automatischen Zugänglichkeits-Tools oder Browser-Validierungs-Tool. (Allerdings können Software-Tools nicht alle Zugänglichkeitsfragen erfassen, vor allem in der Semantik sind sie stark eingeschränkt.)

2. Validierung der Syntax (HTML, XML, XHTML, ...).

3. Validierung der Stylesheets (CSS).

4. Verwendung eines Text-Browsers oder Emulators zum Testen der Seite.

5. Testen der Seite mit mehreren Browsern mit unterschiedlichen Einstellungen (also etwa Ton und Grafik aktiviert, ohne Grafiken, ohne Maus, etc.).

6. Verwendung mehrere Browser, darunter auch ältere Versionen.

7. Verwendung eines sprachgenerierenden Browsers, eines Screenreaders, Vergrößerungs-Software und ähnliche Hilfsmittel.

8. Der erstellte Text sollte mit einer Rechtschreib- und Grammatikprüfung geprüft werden.

9. Klarheit und Einfachheit des Textes sollte überprüft werden. Lesbarkeitsstatistiken, wie sie von manchen Textverarbeitungs-Programmen generiert werden, können brauchbare Indikatoren für Klarheit und Einfachheit sein.

10. Behinderte Menschen sollten die Seite persönlich überprüfen, da ihr Feedback wertvolle Informationen über Probleme der Zugänglichkeit und Verwendbarkeit liefern kann.

5 Quellen

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