Mobbing

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Eine einheitliche Definition von Mobbing gibt es nicht!

1 Definition (Heinz Leymann, 1993)

Mobbing beschreibt eine negative kommunikative Handlung, die gegen eine Person gerichtet ist von einer oder mehreren anderen Personen ausgeht, sehr oft und über einen längeren Zeitraum (mindestens einmal pro Woche über ein halbes Jahr hinweg) hinaus vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer kennzeichnen.

2 eine weitere Definition

Mobbing ist der Fachbegriff für eine schleichende und sich immer weiter steigernde Form von Gewalt. Mobbing/Ursprung

3 Arten von Mobbinghandlungen

Heinz Leymann hat in seinen Forschungen insgesamt 45 verschiedene solcher Handlungen gefunden und sie in fünf Bereiche aufgeteilt:

3.1 Angriffe auf die Möglichkeiten, sich mitzuteilen

  • Der Vorgesetzte schränkt die Möglichkeiten ein, sich zu äußern
  • Man wird ständig unterbrochen
  • Kollegen schränken die Möglichkeiten ein, sich zu äußern
  • Anschreien oder lautes Schimpfen
  • Ständige Kritik an der Arbeit
  • Ständige Kritik am Privatleben
  • Telefonterror
  • Mündliche Drohungen
  • Schriftliche Drohungen
  • Kontaktverweigerung durch abwertende Blicke oder Gesten
  • Kontaktverweigerung durch Andeutungen, ohne daß man etwas direkt ausspricht

3.2 Angriffe auf die sozialen Beziehungen

  • Man spricht nicht mehr mit dem/der Betroffenen
  • Man läßt sich nicht ansprechen
  • Versetzung in einen Raum weitab von den Kollegen
  • Den Arbeitskollegen/innen wird verboten, den/die Betroffenen anzusprechen
  • Man wird "wie Luft" behandelt

3.3 Auswirkungen auf das soziale Ansehen

  • Hinter dem Rücken des Betroffenen wird schlecht über ihn gesprochen
  • Man verbreitet Gerüchte
  • Man macht jemanden lächerlich
  • Man verdächtigt jemanden, psychisch krank zu sein
  • Man will jemanden zu einer psychiatrischen Untersuchung zwingen
  • Man macht sich über eine Behinderung lustig
  • Man imitiert den Gang, die Stimme oder Gesten, um jemanden lächerlich zu machen
  • Man greift die politische oder religiöse Einstellung an
  • Man macht sich über das Privatleben lustig
  • Man macht sich über die Nationalität lustig
  • Man zwingt jemanden, Arbeiten auszuführen, die das Selbstbewusstsein verletzen
  • Man beurteilt den Arbeitseinsatz in falscher oder kränkender Weise
  • Man stellt die Entscheidungen des/der Betroffenen in Frage
  • Man ruft ihm/ihr obszöne Schimpfworte o. a. entwürdigende Ausdrücke nach.
  • Sexuelle Annäherungen oder verbale sexuelle Angebote

3.4 Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation

  • Man weist dem Betroffenen keine Arbeitsaufgaben zu
  • Man nimmt ihm jede Beschäftigung am Arbeitsplatz, so daß er sich nicht einmal selbst Aufgaben ausdenken kann
  • Man gibt ihm sinnlose Arbeitsaufgaben
  • Man gibt ihm Aufgaben weit unter seinem eigentlichen Können
  • Man gibt ihm ständig neue Aufgaben
  • Man gibt ihm "kränkende" Arbeitsaufgaben
  • Man gibt dem Betroffenen Arbeitsaufgaben, die seine Qualifikation übersteigen, um ihn zu diskreditieren

3.5 Angriffe auf die Gesundheit

  • Zwang zu gesundheitsschädlichen Arbeiten
  • Androhung körperlicher Gewalt
  • Anwendung leichter Gewalt, zum Beispiel um jemandem einen "Denkzettel" zu verpassen
  • Körperliche Misshandlung
  • Man verursacht Kosten für den/die Betroffene, um ihm/ihr zu schaden
  • Man richtet physischen Schaden im Heim oder am Arbeitsplatz des Betroffenen an
  • Sexuelle Handgreiflichkeiten

4 Mobbingphasen

Der Prozess des Mobbings ist nach Heinz Leymann in Phasen unterteilbar.

4.1 Phase 1: "Ein Konflikt entsteht"

Am Anfang eines jeden Mobbing-Prozesses steht ein Konflikt. Mobbing kann entstehen, wenn der Konflikt nicht lösbar ist, sich aber auch niemand um die Bearbeitung des Konflikts kümmert. Im Laufe der Entwicklung hin zu Mobbing tritt der ursprüngliche Konflikt immer mehr in den Hintergrund. Aus einem sachlichen Konflikt wird eine persönliche Auseinandersetzung.

4.2 Phase 2: "Der Psychoterror beginnt"

Einer der Beteiligten wird zur Zielscheibe. Die Beteiligten denken sich Handlungen aus, um der jeweiligen Person zu schaden. Hierbei kann man vielerlei Veränderungen bei den betroffenen Personen feststellen. Sie werden unfreundlich, misstrauisch, pampig oder verständlicherweise oft aggressiv. Andere leiden eher still und wirken den ganzen Tag bedrückt. Diese Reaktionen sind ganz normale Reaktionen, wenn sie direkt nach einem Konflikt auftreten.

4.3 Phase 3: "Erste arbeitsrechtliche Maßnahmen beginnen"

Auf die Demütigungen und Mobbing-Handlungen am Arbeitsplatz folgen häufig arbeitsrechtliche Maßnahmen des Arbeitgebers. Der von Mobbing-Betroffene ist zu einem Problemmitarbeiter geworden: Er ist häufig unkonzentriert, es unterlaufen ihm Fehler und er hat aufgrund der psychosomatischen Beschwerden zu viele Fehltage. Der Vorgesetzte, auch wenn er bislang neutral war, ist nun gezwungen, zu reagieren.

4.4 Phase 4: "Das Arbeitsverhältnis wird zwangsweise beendet"

Fortgeschrittene Mobbing-Fälle enden meist mit einem Ausschluss aus dem Arbeitsleben. Entweder kündigen die Betroffenen selbst, weil sie es nicht mehr aushalten, oder sie werden vom Arbeitgeber unter einem Vorwand gekündigt. Andere willigen unter dem großen Druck in einen Auflösungsvertrag ein.
Ein Teil der Mobbing-Betroffenen leiden unter so starken psychosomatischen Krankheiten, dass sie auf Dauer krankgeschrieben werden und schließlich Erwerbsunfähigkeits-Rente erhalten.

5 Mobbingfolgen

5.1 Folgen für den Betroffenen selbst

Mobbing ist aus medizinischer Sicht für den Betroffenen eine extreme Form von psychischer Belastung, die zu bekannten Stressreaktionen führt. Schon nach weniger Zeit zeigen sich frühe Stresssymptome wie Niedergeschlagenheit, Schlafprobleme oder etwa schon erkennbare leichte Depressionen. Diese können bei weiterem Fortschreiten des Mobbings zu Persönlichkeitsstörungen, Minderung des Selbstwertgefühls, Hautkrankheiten, Schlafstörungen führen. Es können sich chronische psychosomatische oder psychiatrische Störungen ausbilden und zu Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch führen. Letzten Endes kann Mobbing im allerschlimmsten Fall zu Suizidversuchen und Suiziden führen; nach Schätzungen ist Mobbing bei ca. 20% der jährlichen Suizidfälle eine Ursache.
Mobbing hat auch erhebliche Auswirkungen auf das Arbeits- und Leistungsverhalten. Laut der Repräsentativstudie von 2001 für Deutschland sind die häufigsten Auswirkungen (in mehr als der Hälfte aller Fälle) Demotivation, Misstrauen, Nervosität, Verunsicherung, Rückzug, innere Kündigung, Leistungs- und Denkblockaden, Selbstzweifel und mangelndes Konzenztrationsvermögen.

5.2 Folgen für das Unternehmen

Langfristig gesehen bedeuted Mobbing für das Unternehmen erhöhte krankheitsbedingte Fehlzeiten des Betroffenen. Wie oben erwähnt, beeinträchtigt Mobbing das Leistungsverhalten, sodass der Betroffene schlechte Leistungen erbringt. Mobbing erhöht auch die Personalfluktuation, was oft eine Verschlechterung des Betriebsklimas mit sich bringt. Dies kann sich wieder auf den Erfolg des Unternehmens auswirken. Somit stellt Mobbing für das Unternehmen einen Kostenfaktor dar:

  • Kosten durch Beschäftigung mit dem Mobbingfall
  • Fehlzeiten, sowie Versetzungskosten
  • Produktivitätsverlust
  • Opportunitätskosten
  • Verlust an öffentlichem Ansehen

6 Schülermobbing

"Mobbing" in der Schule gibt es im Grunde seit es Schulen gibt.
Ein Ursachenkomplex für das Mobbing unter Schülern ist "das Fremde" oder "das Andere". Hier spielen Unterschiede (zur Mehrheit der jeweiligen Gruppe) eine Rolle: andere Nationalitäten, Kulturen, Religionen, Sprachen, Kleider, etc. können Mobbingverhalten begünstigen.

6.1 Beispiel

Die Bekleidung spielt eine immer wichtigere Rolle. Die Altersschwelle für das Markenbewusstsein ist in den letzten Jahren merklich gesunken. Spätestens ab der 5. oder 6. Klasse müssen die Markennamen auf Hosen, Rucksäcken, Turnschuhen und anderen Kleidungsstücken "stimmen".

7 Quellen

  • Heinz Leymann, Mobbing: "Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann", 1993
  • Axel Esser, "Mobbing", März 2005
  • Hoel, "Workplace bullying and stress", 2002

8 Siehe auch


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