Händler-Anwendung (Ruby-on-Rails-Beispiel)

aus GlossarWiki, der Glossar-Datenbank der Fachhochschule Augsburg

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Zweck

Anhand einer einfachen Web-Anwendung sollten die Prinzipien von Ruby on Rails erläutert werden.

Diesem Beispiel liegt die Händler-Datenbank zugrunde, die Wolfgang Kowarschick in der Vorlesung Datenmanagement II (Multimedia-Datenbanksysteme)[1] als Beispiel einsetzt:

Medium:Haendler.png

Voraussetzungen

Folgende Softwarepakete wurden installiert:

Ruby on Rails wurde zusammen mit einigen Erweiterungs-Modulen mit Hilfe des Ruby-Paketmanagers gem installiert:

RUBY_DIR=...; export RUBY_DIR
POSTGRESQL_DIR=...; export  POSTGRESQL_DIR

gem install rails --include-dependencies
gem install postgres -r -- --with-pgsql-dir=${POSTGRESQL_DIR}
gem install passenger
${RUBY_DIR}/bin/passenger-install-apache2-module

Auf dem Test-Server steht in der Datei /etc/hosts ein Eintrag für den gewünschten virtuellen Server, auf dem die Anwendung laufen soll (die IP-Adresse und der Rechnernamen können natürlich angepasst werden):

192.168.0.161   haendler.kowa haendler

Diese IP-Adresse ist einem echten oder virtuellen Rechner zugeordnet. Unter SuSE 11 kann man einem Rechner ganz einfach mehrere IP-Adressen zuordnen. Man trägt die neue IP-Adresse in die Datei /etc/sysconfig/network/ifcfg-eth0 ein:

IPADDR_haendler='192.168.0.161'
NETMASK_haendler='255.255.255.0'

Danach muss der Netzwerkzugriff neu gestartet werden:

/etc/init.d/network restart

Ein PostgreSQL-Benutzer mit Namen haendler wurde (z.B. mit Hilfe von phpPgAdmin) angelegt. Für diesen Benutzer wurden drei Datenbanken angelegt:

  • haendler_development (Zeichenkodierung UTF8)
  • haendler_test (Zeichenkodierung UTF8)
  • haendler_production (Zeichenkodierung UTF8)

Anlegen der Rails-Anwendung haendler

Zunächst werden im Rails-Webverzeichnis die Ordner und Dateien einer neuen Rails-Anwendung namens haendler erzeugt:

cd /web/rails
rails --database postgresql haendler

In der Konfigurations-Datei database.yml, die den Zugriff auf das DB-System regelt, wird das Passwort für den Benutzer haendler an drei Stellen eingetragen:

vi /web/rails/haendler/config/database.yml
development:
  adapter: postgresql
  encoding: unicode
  database: haendler_development
  pool: 5
  username: haendler
  password: geHEIM!?

test:
  adapter: postgresql
  encoding: unicode
  database: haendler_test
  pool: 5
  username: haendler
  password: geHEIM!?

production:
  adapter: postgresql
  encoding: unicode
  database: haendler_production
  pool: 5
  username: haendler
  password: geHEIM!?

Mit Hilfe eines rake-Kommandos kann überprüft werden, ob die Verbindung zur Datenbank hergestellt werden kann:

cd /web/rails/haendler
rake db:migrate

Wenn das rake-Kommando keinen Fehler ausgibt, ist alles in Ordnung.

Zugang zur Web-Anwendung haendler mit Hilfe von Apache

Unter der Annahme, dass Rails-Anwendungen im Verzeichnis /web/rails angelegt werden, kann der virtuelle Server in der Apache-Konfigurationsdatei httpd.conf eingetragen werden:

<VirtualHost 192.168.0.161:80>
   ServerName haendler.kowa
   DocumentRoot /web/rails/haendler/public
   <Directory /web/rails/haendler/public>
    AllowOverride All
    Order allow,deny
    Allow from all
  </Directory>

  CustomLog    logs/haendler-access combined
  ErrorLog     logs/haendler-error

</VirtualHost>

Nach einem Neustart von Apache mit /etc/rc.d/apache restart oder, schneller, kill -1 <Prozessnummer des Apache-Root-Prozesses> sollte man die Applikation im Browser ansehen können:

http://haendler.kowa/

Anmerkung

Wann immer an der Rails-Anwendung eine Änderung vorgenommen wurde, sollte man im tmp-Verzeichnis der Anwendung eine Datei namens restart.txt (mit beliebigem Inhalt) angelegt werden. Dadurch wird Apache informiert, dass der die Anwendung neu einlesen soll. Und somit werden alle Änderungen direkt im Browser sichtbar.

 touch /web/rails/haendler/tmp/restart.txt

Konvention: Klassennamen stehen im Singular und Datenbanktabellen-Namen im Plural

Für Ruby on Rails wurde die Konvention eingeführt, dass Klassennamen stets in Singular stehen und mit einem Großbuchstaben beginnen: Haendler, Liefert, Ware. Die zugehörigen Tabellennamen sollen dagegen im Plural stehen und kleingeschrieben werden. Die zweite Regel führt allerdings bei deutschen Tabellennamen sowie bei englischnamigen Beziehungstabellen zu unschönen Ergebnissen, wenn die Tabellen automatisch gemäß Konvention z.B. mittels ruby script/generate erzeugt werden: haendlers, lieferts, wares bzw. traders, supplies, items (hier wäre supply besser).

Wenn man die Ruby-Konvention beachten will, sollte man die falsche automatische Plural-Bildung verhindern, indem man Ausnahmen in die Datei inflections.rb einfügt:

vi /web/rails/haendler/config/initializers/inflections.rb
ActiveSupport::Inflector.inflections do |inflect|
  inflect.irregular 'einhaendler', 'haendler'
  inflect.irregular 'liefert',      'liefern'
  inflect.irregular 'ware',         'waren'
end

Anmerkung 1

Klassennamen für die Singular und Plural übereinstimmen, bereiten beim automatischen Erzeugen von Zugriffsmethoden („Scaffolding“) Probleme, da in den URLs nicht zwischen der Menge aller zugehörigen Objekten und einem einzelen Objekt unterschieden werden kann. Ich verwende als Workaround die Unterscheidung zwischen einhaendler (Singular) und haendler (Plural).

Im Blog „HowFlow“ beschreibt aroedl eine etwas aufwändigere Methode[2], bei der man haendler als uncountable deklarieren kann, so dass Singular und Plural sich wirklich nicht unterscheiden.

Anmerkung 2

In allen meinen Programmen und Vorlesungsbeispielen halte ich mich normalerweise an die Konvention, dass sowohl Klassen-, als auch Tabellennamen im Singular geschrieben werden sollten. Dies könnte man in Ruby on Rails erreichen, indem man eine Initialisierungs-Datei pluralize_false.rb mit folgenden Inhalt anlegt:

# vi /web/rails/haendler/config/initializers/pluralize_false.rb
ActiveRecord::Base.pluralize_table_names = false

Das es nun einmal Ruby-on-Rails-Konvention ist, Tabellennamen im Plural zu schreiben, greife ich in diesem Beispiel nicht auf diese Möglichkeit zurück.

Anlegen des Controllers

Die Scaffold-Controller

cd /web/rails/haendler
ruby script/generate scaffold ein_haendler name:string adresse:string
ruby script/generate scaffold ware         typ:string  bezeichnung:string
rake db:migrate
rake db:migrate RAILS_ENV="production"
rake db:migrate RAILS_ENV="test"

touch /web/rails/haendler/tmp/restart.txt

Anlegen des Modells

Anlegen der Modell-Dateien

Mit Hilfe des Ruby-Skriptes ruby script/generate model kann nun die Dateien des Modells, d.h. die Dateien für die Klassen- und Tabellen-Definitionen des Modells angelegt werden. Man beachte, dass die Beziehungsklasse Liefert bzw. die Beziehungstabelle liefern explizit angelegt wird, da sie über eigene Attribute verfügt.

cd /web/rails/haendler/
ruby script/generate model haendler
ruby script/generate model ware
ruby script/generate model liefert

Ergebnis:

exists  app/models/
exists  test/unit/
exists  test/fixtures/
create  app/models/haendler.rb
create  test/unit/haendler_test.rb
create  test/fixtures/haendlers.yml
create  db/migrate
create  db/migrate/20081208135556_create_haendlers.rb

...

Primär- und Fremdschlüssel

Laut Ruby-on-Rails-Philosophie sollte jede Tabelle ein Primärschlüssel-Attribut namens id enthalten. Dieses wird, wenn man in den zugehörigen Migrate-Dateien nichts anderes angibt, mittels rake db:migrate automatisch erzeugt.

Nun benötigen Beziehungstabellen kein künstliches Schlüssel-Attribut. Eine übliche Methode ist es daher, in Rails-Anwendungen bei Beziehungstabellen ganz auf Primärschlüssel zu verzichten und anstatt dessen einen Index für die Beziehungsattribute zu definieren (siehe z.B. den Abschnitt "Migration" in der sehr schönen Rails-Kurz-Referenz von InVisible[3]). Sollte eine Beziehungstabelle weitere Attribute haben, so müsste für die Beziehungsattribute zusätzlich noch eine gemeinsame Unique-Bedingung angegeben werden. Dies wird für mehr als ein Attribut von Rails leider auch nicht direkt unterstüzt (vgl. z.B. die Dokumentation zur Klasse ActiveRecord::Migration[4], Abschnitt „More examples“).

In einem sehr schönen Blog-Beitrag[5] beschreibt Jeff Smith, warum im Falle von Beziehungstabellen „Composite Primary Keys“, wie Multi-Attribut-Primärschlüssel im Englischen genannt werden, so wichtig sind. Er widerlegt auch sehr schön die Argumente von Lee Richardson[6], der gegen „Composite Primary Keys“ argumentiert.

Ruby on Rails unterstützt nicht nur die Angabe von Multi-Attribut-Primärschlüsseln, auch die Angabe von Fremdschlüsseln wird nicht direkt unterstützt.

Glücklicherweise gibt es zwei Erweiterungspakete, die diese Probleme beheben.

Das Multi-Primär-Schlüssel-Problem lässt sich mit dem Rails-Paket composite_primary_keys beheben. Und mit Hilfe des Pakets foreign_key_migrations können auch Foreign Keys innerhalb von Migration-Dateien definiert werde:

gem install composite_primary_keys
gem install foreign_key_migrations

Um diese Pakete verwenden zu können, müssen sie in der Händler-Anwendung noch aktiviert werden:

vi /web/rails/haendler/config/initializers/db_extensions.rb
require 'composite_primary_keys'
require 'composite_primary_keys/migration'
require 'foreign_key_migrations'

Bearbeiten der Migrate-Dateien

Nun werden die Attribute, Schlüssel, Fremdschlüssel und Indexe der Einzelenen Klassen des Modells in den zugehörigen migrate-Dateien eingetragen.

vi /web/rails/haendler/db/migrate/*_create_haendler.rb
class CreateHaendler < ActiveRecord::Migration
  def self.up
    create_table :haendler do |t|
      t.string :name,   :null => false
      t.string :adresse

      t.timestamps
    end
  end

  def self.down
    drop_table :haendler
  end
end


vi /web/rails/haendler/db/migrate/*_create_waren.rb
class CreateWaren < ActiveRecord::Migration
  def self.up
    create_table :waren do |t|
      t.string :typ,         :null => false
      t.string :bezeichnung, :null => false

      t.timestamps
    end
  end

  def self.down
    drop_table :waren
  end
end


vi /web/rails/haendler/db/migrate/*_create_liefern.rb
class CreateLiefern < ActiveRecord::Migration
  def self.up
    create_table :liefern, :primary_key => [:haendler_id, :ware_id] do |t|
      t.integer :haendler_id, :null => false, :references => :haendler
      t.integer :ware_id,     :null => false, :references => :waren
      t.decimal :preis,       :null => false, :precision => 6, :scale => 2
      t.integer :lieferzeit

      t.timestamps
    end

    add_index :liefern, [:ware_id]
  end

  def self.down
    drop_table :liefern
  end
end

Anschließend werden die Tabellen mit dem Ruby-Make-Befehl rake erzeugt:

cd /web/rails/haendler
rake db:migrate

Anmerkung

Mit

rake db:migrate VERSION=0

können alle Tabellen wieder gelöscht werden.

Bearbeitung der Klassendateien des Modells

vi /web/rails/haendler/app/models/haendler.rb
class Haendler < ActiveRecord::Base
  has_many :waren, :through => :liefern
  has_many :liefern
end


vi /web/rails/haendler/app/models/ware.rb
class Ware < ActiveRecord::Base
  has_many :haendler, :through => :liefern
  has_many :liefern
end


vi /web/rails/haendler/app/models/liefert.rb
class Liefert < ActiveRecord::Base
  set_primary_keys [:haendler_id, :ware_id]
  belongs_to :haendler, :foreign_key => 'haendler_id'
  belongs_to :waren,    :foreign_key => 'ware_id'
end

Anschließend sollte mit einem Browser Ihrer Wahl überprüft werden, ob irgendwelche Fehlermeldungen ausgegeben werden:

touch /web/rails/haendler/tmp/restart.txt
lynx http://haendler.kowa/test

Wenn der Server mit der Fehlermeldung 404 anzeigt, dass es diese Seite nicht gibt, ist alles OK. Views wurden ja noch nicht definiert. Wenn der Server allerdings mit der Fehlermeldung 500 anzeigt, dass ein interner Server-Fehler vorliegt, wurden die Modell-Dateien nicht korrekt definiert. Der Server gibt dann auch eine genauere Fehlermeldung aus.

Quellen

  1. Kowarschick, W.: Content-Management
  2. Agiles Web Development with Rails
  3. Learn all about Ruby ob Rails
  4. [1]


Dieser Artikel ist GlossarWiki-konform.