Es sein $ b $ eine Funktion, die jedem Tupel der Art $ (a_1:v_1, \ldots, a_n:v_n) $ einen booleschen Wert (true/$ \top $, false/$ \bot $, unknown/$ U $) zuweist. Dabei seien $ a_1, \ldots a_n $ Attributnamen und $ v_1, \ldots v_n $ Werte der zugehörigen Domänen$ D_1, \ldots D_n $.
Die Selektionsfunktion
$ σ_b: R \rightharpoonup R $
überprüft für jedes Tupel $ (a_1:v_1, \ldots, a_n:v_n) $ einer Relation $ r $, die nur Tupel dieser Art enthält,
ob die Bedingungsfunktion $ b $ für das jeweilige Tupel den Wert true liefert:
$ b((a_1:v_1, \ldots, a_n:v_n)) = \top $
Ist dies der Fall, so wird das entsprechende Tupel in die Ergebnisrelation eingefügt, anderenfalls wird es „entfernt“.
Für Relationen, die Tupel anderer Bauart enthalten, d. h. andere Attribute oder gleichnamige Attribute mit nicht-kompatiblen Domänen, ist die Selektionsfunktion
$ σ_b $ nicht definiert.
In SQL muss in der SELECT-Klausel immer eine Projektionsliste angegeben werden,
auch wenn gar keine Projektion benötigt wird. Da es in den folgenden Beispielen nur um die Selektion geht
(WHERE-Klausel), wird jeweils die Projektionsklausel SELECT *
verwendet. In produktivem Code sollte man dies vermeiden und in SELECT-Klausel immer alle benötigten Attribute
explizit aufzählen, da sich die Anzahl und die Reihenfolge der Attribute einer Tabelle im Laufe
der Zeit ändern kann (Schemaevolution).
Selektion aller Tupel der Tabelle haendler (Identität)
SELECT*FROMhaendlerWHEREtrue
$ \texttt{haendler} $
→
$ σ_{\top}(\texttt{haendler}) $
h_id
h_name
h_ortschaft
1
Maier
Königsbrunn
2
Müller
Königsbrunn
3
Maier
Augsburg
4
Huber
NULL
5
Schmidt
Hamburg
→
h_id
h_name
h_ortschaft
1
Maier
Königsbrunn
2
Müller
Königsbrunn
3
Maier
Augsburg
4
Huber
NULL
5
Schmidt
Hamburg
Selektion von keinem einzigen Tupel der Tabelle haendler
$ σ_{\texttt{h_ortschaft LIKE '%burg'}}(\texttt{haendler}) $
h_id
h_name
h_ortschaft
1
Maier
Königsbrunn
2
Müller
Königsbrunn
3
Maier
Augsburg
4
Huber
NULL
5
Schmidt
Hamburg
→
h_id
h_name
h_ortschaft
3
Maier
Augsburg
5
Schmidt
Hamburg
Achtung: Dies ist eine teure Operation, da die Gesamte Händler-Tabelle durchlaufen und jeder Händlername überprüft werden muss.
Endtrunkierung sollte grundsätzlich vermieden werden. Stattdessen sollte man einen Volltextindex verwenden, der Endtrunkierung unterstützt.
Selektion aller liefert-Tupel, bei denen die Lieferzeit bekannt ist
SELECT*FROMliefertWHEREl_lieferzeitISNOTNULL;
$ \texttt{liefert} $
→
$ σ_{\texttt{l_lieferzeit IS NOT NULL}}(\texttt{liefert}) $