Objekt (OOP)

aus GlossarWiki, der Glossar-Datenbank der Fachhochschule Augsburg

Definition

Objekte sind reale oder abstrakte "Dinge", die sich durch folgende Eigenschaften auszeichnen:

  • Ein Objekt existiert für eine gewisse Zeitspanne, d.h., es wird erzeugt und wieder zerstört. Dazu dienen so genannte Konstruktoren und Destruktoren.
  • Ein Objekt o hat einen unveränderlichen, systemweit eindeutigen und nicht wiederverwendbaren Objektidentifikator (OID) oid(o).
  • Neben dem Objektidentifikator kann ein Objekt noch einen oder mehrere Objektnamen haben. Diese sind im Gegensatz zum OID veränderlich, wiederverwendbar und nicht notwendigerweise systemweit eindeutig, dafür aber "verständlich".
  • Ein Objekt o hat zu jedem Zeitpunkt t einen eindeutigen Zustand state(o,t), welcher die "Eigenschaften" des Objektes zum Zeitpunkt t beschreibt.
  • Für ein Objekt o gibt es zu jedem Zeitpunkt t einen eindeutigen Satz an öffentlichen Methoden methods(o,t), mit denen Zustandseigenschften des Objektes o erfragt und manipuliert werden können. Für jede Methode gibt es eine Methodendeklaration, in der festgelgt ist, welche Ein- und Ausgabeparameter die Methode hat.
  • Der Zustand eines Objektes ist gekapselt (privat), d.h., er kann nicht direkt, sondern ausschließlich mit Hilfe öffentlich zugänglichen Methoden abgefragt und verändert werden, oder er ändert sich selbstständig.
  • Mit Hilfe von Integritätsbedingungen können Beschränkungen für den Zustand und/oder die Methoden definiert werden, die zu bestimmten Zeitpunkten oder für die gesamte Lebensdauer des Objektes gültig sind.
  • Für jedes Objekt gibt es i.Allg. außerdem mindestens eine Objekt-Implementierung, die die Funktionalität der Objekt-Methoden realisiert. Die Objekt-Implementierung definiert den Objekt-Zustand, hat Zugriff auf diesen Zustand und kann weitere nicht-öffentliche, d.h. private Methoden einführen, auf die nur die Objekt-Implementierung selbst Zugriff hat.

Bedeutung von "systemweit"

Der in der Definition verwendete Beriff systemweit ist nicht eindeutig definiert, sondern hängt von der jeweiligen objektorientierten Systemumgabung ab. Bei einem einfachen Programmlauf eines JAVA-Programms bedeutet systemweit beispielsweise "zu jedem Zeitpunkt während des Programmlaufs innerhalb der Laufzeitumgebung". Für ein verteiltes objektorientiertes Datenbanksystem bedeutet systemweit dagegen "über alle Zeit und alle beteiligten Datenbanken hinweg".

Zustandsvariablen

Die meisten Objekte speichern ihren Zustand in so genannten Zustandsvariablen. Das sind Variablen, die dem Objekt zugeordnet sind und auf die nur die Methoden des Objektes zugreifen können.

Anfrage- und Modifikationsmethoden

Methoden, die Informationen über einen Objektzustand als Ergebnis liefern, heißen Anfragemethoden. Sie entsprechen den Funktionen in prozeduralen oder | funktionalen Programmierspachen.

Methoden, die den Objektzustand verändern können, werden Modifikationsmethoden genannt. Sie entsprechen den Prozeduren in prozeduralen Programmierspachen.

In der "reinen objektorientierten Lehre" gibt es keine Methoden, die gleichzeitig einen Objektzustand ändern und ein Ergebnis liefern können. In der Praxis gibt es dies dagegen schon, genaus, wie in den meisten anderen Programmiersprachen gar nicht oder nicht streng zwischen "Funktion" und "Prozedur" unterschieden wird. .

Skripte

Eine Sammlung mehrerer Methoden und Zustandsvariablen wird in den Autorensystemen normalerweise Skript genannt. Skripte werden manchmal auch -- gerade in Autorensystemen -- als eigenständige Objekte aufgefasst.

Siehe auch

Wikipedia: Objekt