Geordnetes Paar: Unterschied zwischen den Versionen

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=Definition (nach Kowarschick)=
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Der Term $[a,b]$, wobei $a$ und $b$ zwei {{Menge}}n oder {{Klasse}}n sind, heißt '''[[geordnetes Paar]]''' oder '''$2$-Tupel''', wenn  
Der Term $[a,b]$, wobei $a$ und $b$ zwei {{Menge}}n oder {{Klasse}}n sind, heißt '''[[geordnetes Paar]]''' oder '''$2$-Tupel''', wenn  
für den Operator $[\cdot,\cdot]$ das [[Guiseppe Peano|Peanosche]] Paaraxiom erfüllt ist:
für den Operator $[\cdot,\cdot]$ das [[Guiseppe Peano|Peanosche]] Paar[[axiom]]<ref name="Peano (1897)">{{Quelle|Peano (1897)}}, S. 6, Nr. 70 und Nr. 71</ref> erfüllt ist:
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==Projektion==


Für geordnete Paare werden folgende beiden [[Projektion]]s-Operationen definiert,  
Für geordnete Paare werden folgende beiden [[Projektion]]s-Operationen definiert,  
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<div class="formula">$\pi_1([a,b]) := a$ (das erste Element des Paars)</div>
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<div class="formula">$\pi_2([a,b]) := b$ (das zweite Element des Paars)</div>
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==Anmerkungen==
Der Paarbegriff findet sich bereits in der 1898 erschienene Arbeit „Arithmetices principia: nova methodo“<ref>{{Quelle|Peano (1889)}}</ref> von [[Giuseppe Peano]].
Kurz vor Drucklegung des Buches „Formulaire de Mathématiques“<ref name="Peano (1897)"/>, das das Paaraxiom enthält, publiziert Peano laut [[Hubert Kennedy]] eine kleine Studie
mit Ergebnissen seiner Studien über die Herabsetzung der Zahl der Grundbegriffe auf ein Minimum.
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zusammensetzt. Peano bemerkt dazu: ‹Die Idee eines geordneten Zahlenpaars ist von
grundsätzlicher Bedeutung. Wir wissen aber nicht, wie wir es durch die obenerwähnten
Symbole ausdrücken sollen.›{{Quelle|Kennedy (2002)}}</ref>}}
1914 gelang es [[Norbert Wiener]] und [[Felix Hausdorff]] unabhängig voneinander, geordnete Paare durch Mengen auszudrücken.<ref>{{Quelle|Schmidt (1966)}} (vgl. nachfolgende Beispiele)


==Beispiele für geordnete Mengen- oder Klassenpaare==
==Beispiele für geordnete Mengen- oder Klassenpaare==
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Beispiele für mögliche Definitionen von $[a,b]$ sind:
Beispiele für mögliche Definitionen von $[a,b]$ sind:


<div class="formula">$[a,b] := >\{\{\emptyset,\{a\}\},\{\{b\}\}\}$ ('''Mengenpaare''', 1914 entdeckt von Wiener<ref>{{Quelle|Wiener (1914)}}</ref>)</div>
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Version vom 27. Mai 2013, 15:05 Uhr

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Definition (nach Kowarschick)

Der Term $[a,b]$, wobei $a$ und $b$ zwei Mengen oder Klassen sind, heißt geordnetes Paar oder $2$-Tupel, wenn für den Operator $[\cdot,\cdot]$ das Peanosche Paaraxiom[1] erfüllt ist:

$\forall a, b, c, d: [a,b] = [c,d] \leftrightarrow a = c \wedge b = d$

Projektion

Für geordnete Paare werden folgende beiden Projektions-Operationen definiert, um das erste bzw. das zweite Element des Paars zu extrahieren:

$\pi_1([a,b]) := a$ (das erste Element des Paars)
$\pi_2([a,b]) := b$ (das zweite Element des Paars)

Anmerkungen

Der Paarbegriff findet sich bereits in der 1898 erschienene Arbeit „Arithmetices principia: nova methodo“[2] von Giuseppe Peano. Kurz vor Drucklegung des Buches „Formulaire de Mathématiques“[1], das das Paaraxiom enthält, publiziert Peano laut Hubert Kennedy eine kleine Studie mit Ergebnissen seiner Studien über die Herabsetzung der Zahl der Grundbegriffe auf ein Minimum.

[3]

1914 gelang es Norbert Wiener und Felix Hausdorff unabhängig voneinander, geordnete Paare durch Mengen auszudrücken.Referenzfehler: Für ein <ref>-Tag fehlt ein schließendes </ref>-Tag.)

$[a,b] := \{\{a,\boldsymbol{1}\},\{b,\boldsymbol{2}\}\}$ (Mengenpaare, 1914 entdeckt von Hausdorff[4])
$[a,b] := \{\{a\},\{a,b\}\}$ (Mengenpaare, 1921 entdeckt von Kuratowski[5])
$[a,b] := \{\{\{x\}\}\,:\, x \in a\} \,\cup\, \{\mathcal P(x)\,:\, x \in b\}$ (Klassenpaare, Schmidt[6])

Im Falle der ersten Definition müssen $a$ und $b$ Mengen sein ($\rm{Mg}(a) \wedge \rm{Mg}(b)$, siehe Klasse), damit das Paaraxiom erfüllt ist. Im Falle der zweiten Definition ist das Paaraxiom für beliebige Klassen $a$ und $b$ erfüllt.[6]

Es gibt noch diverse weitere Möglichkeiten, Mengen- oder Klassenpaare zu definieren.

In der von McCarthy entwickelten Programmiersprache LISP werden geordnete Paare in der Form $(a \cdot b)$ (bzw. (a . b) in ASCII-Schreibweise) notiert und mit der Funktion $\rm{cons}$ erzeugt. Die Operationen $\pi_1$ und $\pi_2$ zur Extraktion der Elmente heißen bei McCarthy $\rm{car}$ und $\rm{cdr}$.[7]

Reihenfolge der Elemente

Geordnete Paare sind im Gegensatz zu Mengen tatsächlich geordnet:

$\forall a, b: \{a,b\} = \{b,a\}$ (Bei Paarmengen spielt die Reihenfolge der Elemente keine Rolle, ...)
$\forall a, b: [a,b] = [b,a] \leftrightarrow a = b$ (... bei Paaren wegen des „Paaraxioms“ dagegen schon.)

In einem mengebasiertes Axiomen-System (wie es z.B. der Zermelo-Fraenkel-Mengenlehre zu Grunde liegt) ist die vorangehende Formel sowohl für Mengenpaare, als auch für Klassenpaare unbeschränkt gültig, da in diesem Fall $\forall$ als „Für alle Mengen innerhalb des Mengenuniversums“ interpretiert wird.

In einem klassenbasierten Axiomen-System (wie es z.B. der Neumann-Bernays-Gödel-Mengenlehre zu Grunde liegt) ist die Formel allerdings nur im Falle von Klassenpaaren gültig, da hier $\forall$ als „Für alle Klassen, d.h. für alle Mengen und Unmengen innerhalb des Klassenuniversums“ interpretiert wird.. Bei Mengenpaaren gilt lediglich:

$\forall a, b: \rm{Mg}(a) \wedge \rm{Mg}(b) \rightarrow ([a,b] = [b,a] \leftrightarrow a = b)$

Für Unmengen ($\rm{UMg}$, siehe Klasse) ist ein Mengenpaar nämlich stets gleich der Allklasse $\mathcal{V}$ oder stets gleich der leeren Menge, unabhängig von der Reihenfolge der Elemente:

$\forall a, b: \rm{UMg}(a) \vee \rm{UMg}(b) \rightarrow ([a,b] = \{a,\{a,b\}\} = \mathcal{V} \rm{bzw} \emptyset = \{b,\{b,a\}\} = [b,a])$

Grund: Eine Unmenge kann nicht Element einer Menge sein. Abhängig von der Art, wie $\{a\}$ definiert ist, gilt daher entweder $\forall \rm{UMg}(a): \{a\} = \mathcal{V}$ oder $\forall \rm{UMg}(a): \{a\} = \emptyset$.

Fazit: Im Falle eines klassenbasierten Axiomen-Systems sollte man eine Klassenpaar-Definition an Stelle einer Mengenpaar-Definition verwenden.

Quellen

  1. 1,0 1,1 Peano (1897b): Giuseppe Peano; Formulaire de Mathématiques; Band: 2; Verlag: Bocca frères und Ch. Clausen; Web-Link; 1897; Quellengüte: 5 (Buch), S. 6, Nr. 70 und Nr. 71
  2. Peano (1889): Giuseppe Peano; Arithmetices principia: nova methodo; Verlag: Fratres Bocca; Web-Link; 1889; Quellengüte: 5 (Buch)
  3. Diese Publikation enthält sieben Festsetzungen. Eine davon steht als (x;y) für den Begriff eines geordneten Zahlenpaars, das sich aus x und y zusammensetzt. Peano bemerkt dazu: ‹Die Idee eines geordneten Zahlenpaars ist von grundsätzlicher Bedeutung. Wir wissen aber nicht, wie wir es durch die obenerwähnten Symbole ausdrücken sollen.›
  4. Hausdorff (1914): Felix Hausdorff; Grundzüge der Mengenlehre; Verlag: Veit and Company; Adresse: Leipzig; Web-Link; 1914; Quellengüte: 5 (Buch)
  5. Kuratowski (1921): Kazimierez Kuratowski; Sur la notion de l‘ordere dans la Théorie des Ensembles; in: Fundamenta Mathematica; Band: 2; Nummer: 1; Seite(n): 161-171; Web-Link; 1921; Quellengüte: 5 (Artikel)
  6. 6,0 6,1 Schmidt (1966) in Anlehnung an Quine
  7. , S. 11