Junktor: Unterschied zwischen den Versionen

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==Quellen==
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Version vom 22. Juli 2014, 12:47 Uhr

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(ausgezeichnet)
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(ausgezeichnet)

Definition (Kowarschick)

Unter einem Junktor (Aussageverknüpfung, Aussagefunktor) versteht man einen Funktor mit dessen Hilfe endlich viele Aussagen zu einer neuen Aussage verknüpft werden. Der Wahrheitswert der neuen Aussage hängt nur von den Wahrheitswerten der zugehörigen Teilaussagen ab.

Ein Junktor heißt $n$-stellig, wenn er genau $n$ Aussagen zu einer neuen Aussage verknüpft.

Definition (Brockhaus)[1]

Logik: eine log. Partikel, mit deren Hilfe endlich viele Aussagen zu einer neuen Aussage verknüpft werden. Beispiele sind die Abjunktion, die Adjunktion, die Bijunktion, die Konjunktion, die Subbjunktion und die Negation. Alle zweistelligen J. lassen sich auf den Sheffer-Strich zurückführen.

Definition (Bronstein, Semendjajew)[2]

Sind $A_1$, $A_2$ Aussagen, so lassen sich durch sprachliche Verbindungen daraus neue Aussagen gewinnen: „nicht $A_1$“, „$A_1$ und $A_2$“, „$A_1$ oder $A_2$“, „wenn $A_1$, so $A_2$“, „$A_1$ genau dann, wenn $A_2$“, deren Wahrheitswert nur von den Wahrheitswerten der in ihnen vorkommenden Teilaussagen abhängt (Externsionalitätsprünzip der Aussagenlogik).

Definition (Menne)[3]

Albert Menne nennt Funktoren, „die Aussagen umformen oder verbinden zu einer neuen Aussage“ Aussagefunktoren. Er unterscheidet zwischnen monadischen (einstelligen), dyadischen (zweistelligen) und triadischen (dreistelligen) Aussagefunktoren.

Anmerkung

Menne weißt daraufhin, dass dyadische Aussagefunktoren von Paul Lorenzen[4] Junktoren genannt werden. In der obigen Definiton von Kowarschick wird dagegen nicht zwischen Aussagefunktoren und Junktoren unterschieden.

Bemerkungen

Alle der obigen Definitionen sind im Falle von mehrwertigen Aussagelogiken – auch wenn dies von den zitierten Autoren nicht erwähnt wird – ebenfalls gültig, d.h. im Falle von Aussagelogiken, denen mehr als die beiden Wahrheitswerte wahr und falsch zu Grunde liegen. Beispielsweise wurde für SQL eine dreiwertige Logik spezifiziert mit den Wahrheitswerten wahr, falsch und unbekannt.

Junktoren der zweiwertigen Logik

Nullstellige Junktoren

Es gibt insgesamt zwei ($2^{2^{0}}$) einstellige (konstante) Junktoren.

Namen Symbol Wahrheitswerte
Verum $ \top $ W
Falsum $ \bot $ F

Einstellige Junktoren

Es gibt insgesamt vier ($2^{2^{1}}$) einstellige Junktoren. Zwei dieser Junktoren bilden die beiden nullstelligen Junktoren nach und erhalten daher keine eigenen Symbole.

Namen Symbole Wahrheitswerte
$ a $
W
$ a $
F
Identität $ \rm{id}(a) $ W F
Negation $ \lnot a $, $ {\sim}a $, $ \overline a $ F W
Namen Wahrheitswerte
$ a $
W
$ a $
F
Verum W W
Falsum F F

Zweistellige Junktoren

Es gibt insgesamt sechszehn ($2^{2^{2}}$) zweistellige Junktoren. Sechs dieser Junktoren bilden die nullstelligen bzw. einstelligen Junktoren nach und erhalten daher (zumindest in diesem Wiki) keine eigenen Symbole.

Namen Symbole Wahrheitswerte
$ a $ $ b $
W W
$ a $ $ b $
W F
$ a $ $ b $
F W
$ a $ $ b $
F F
Konjunktion $ a \wedge b $ W F F F
Disjunktion, Adjunktion $ a \vee b $ W W W F
Subjunktion, Implikation $ a \rightarrow b $ W F W W
Konversion $ a \leftarrow b $ W W F W
Bijunktion $ a \leftrightarrow b $ W F F W
Sheffer-Strich, NAND $ a \mid b $, $ a \barwedge b $ F W W W
Peirce-Funktion, NOR $ a \overline\vee b $ F F F W
Kontravalenz, XOR $ a \not\leftrightarrow b $, $ a \,\dot\vee\, b $ F W W F
Postsektion, Nur a $ a \not\rightarrow b $ F W F F
Präsektion, Nur b $ a \not\leftarrow b $ F F W F
Namen Wahrheitswerte
$ a $ $ b $
W W
$ a $ $ b $
W F
$ a $ $ b $
F W
$ a $ $ b $
F F
Verum W W W W
Falsum F F F F
Identität von $ a $ W W F F
Identität von $ b $ W F W F
Negation von $ a $ F F W W
Negation von $ b $ F W F W

Junktoren der dreiwertigen Logik von Kleene

Nullstellige Junktoren

Es gibt insgesamt drei ($3^{3^{0}}$) einstellige (konstante) Junktoren.

Namen Symbol Wahrheitswerte
Verum $ \top $ W
Ignotum $ U $ U
Falsum $ \bot $ F

Die Bezeichnung „Ignotum“ für den Wahrheitswert „U“ ( „unbekannt“) wurde von Wolfgang Kowarschick eingeführt.

Einstellige Junktoren

Es gibt insgesamt vier ($3^{3^{1}}$) einstellige Junktoren. Drei dieser Junktoren bilden die beiden nullstelligen Junktoren nach und erhalten daher keine eigenen Symbole.

Namen Symbole Wahrheitswerte
$ a $
W
$ a $
U
$ a $
F
Identität $ \rm{id}(a) $ W F F
starkes Nicht $ \lnot a $, $ {\sim}a $, $ \overline a $ F U W
schwaches Nicht $ \lnot a $, $ {\sim}a $, $ \overline a $ F W W
Namen Wahrheitswerte
$ a $
W
$ a $
U
$ a $
F
Verum W W W
Ignotum U U U
Falsum F F F

Quellen

  1. Brockhaus (1990, IT-KIP): Brockhaus-Enzyklopädie: Band 11, IT-KIP; Auflage: 19; Verlag: F.A. Brockhaus GmbH; Adresse: Mannheim; ISBN: 3-7653-1111-1; 1990; Quellengüte: 5 (Buch)
  2. Bronstein, Semendjajew (1979): I. N. Bronstein und K. A. Semendjajew; Taschenbuch der Mathematik; Hrsg.: G. Grosche und V. Ziegler; Auflage: 19; Verlag: BSB B. G. Teubner Verlagsgesellschaft und Nauka-Verlag; Adresse: Leipzig, Moskau; ISBN: 3871444928; 1979; Quellengüte: 5 (Buch), Seite 588
  3. Menne (1973): Albert Menne; Einführung in die Logik; Reihe: Uni-Taschenbücher; Nummer: 34; Auflage: 2; Verlag: Francke Verlag; Adresse: München; ISBN: 3-7720-0005-3; 1973; Quellengüte: 5 (Buch), S. 33, S. 35
  4. Lorenzen (1958): Paul Lorenzen; Formale Logik; Verlag: Walter de Gruyter GmbH; Adresse: Berlin; 1958; Quellengüte: 5 (Buch)